Wer den Panoramablick von Deutschlands bekanntestem Konzerthaus noch gratis genießen möchte, muss sich beeilen: Ab dem 5. Oktober 2026 gehört der freie Zugang zur Plaza der Hamburger Elbphilharmonie der Vergangenheit an. Die Stadt Hamburg plant die Einführung einer Gebühr für die beliebte Aussichtsplattform auf der achten Etage.
Der Senat hat im aktuellen Haushaltsentwurf eine Eintrittsgebühr verankert. Reguläre Tickets für die in 37 Metern Höhe gelegene Plaza sollen künftig 5 Euro kosten, während ein ermäßigter Tarif von 3 Euro vorgesehen ist. Laut der Hamburger Kulturbehörde gelte dieser Schritt als unvermeidbar. Die endgültige Verabschiedung des Haushaltsplans durch die Hamburgische Bürgerschaft wird nach den Beratungen in den Ausschüssen für Dezember erwartet.
Bislang war der Zugang zwar ticketpflichtig, die Karten konnten jedoch kostenlos gebucht oder vor Ort abgeholt werden. Von Behördenseite heißt es, dass eine Entgeltlichkeit der Plattform eigentlich schon seit der Eröffnung im späten Jahr 2016 angedacht gewesen sei.
Gebrochenes Versprechen – oder ein von vielen geahnter Schritt?
Die Entscheidung sorgt für erhebliche Diskussionen, da die barrierefreie und kostenfreie Zugänglichkeit einst als zentrales Argument bei der Vermarktung des Milliardenprojekts „Elbphilharmonie“ diente. Zur Eröffnung versprach der damalige Erste Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Olaf Scholz, die Plaza sei ein frei zugänglicher öffentlicher Raum und der „größte Balkon der Stadt“ für alle Bürgerinnen und Bürger.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Schon von Beginn an hielten sich Skepsis und Vermutungen in der Bevölkerung sowie bei Kritikern unweit des Projekts, dass dieser Zustand nicht für ewig anhalten würde. Viele ahnten damals bereits, dass der dauerhafte Gratis-Zugang nach den enormen Bau- und Betriebskosten politisch wie finanziell kaum dauerhaft aufrechterhalten werden würde – eine Ahnung, die sich nun bewahrheitet.
Zudem betont die Kulturbehörde heute, dass die Erhebung eines Entgelts schon bei der ursprünglichen Planung im Raum stand und die Kostenfreiheit im Grunde nie als unbegrenzte Dauerlösung angelegt war.
Auch die Baugeschichte der Elbphilharmonie war von immensen Kostensteigerungen geprägt:
- Ursprüngliche Planung: Fertigstellung 2010 bei veranschlagten Kosten von 77 Millionen Euro.
- Vertragsschluss: Anstieg auf rund 241 Millionen Euro.
- Tatsächlicher Endstand: Eröffnung erst 2017 bei Gesamtkosten von etwa 789 Millionen Euro.
Trotz der turbulenten Entstehung hat sich das Bauwerk mit seiner markanten Kombination aus historischem Ziegelspeicher und geschwungenem Glasaufbau zum unangefochtenen Wahrzeichen Hamburgs entwickelt. Mit täglich bis zu 17.000 Besuchern und über 2,2 Millionen Gästen im vergangenen Jahr zählt die Plaza zu den meistfrequentierten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Trend zu Eintrittsgebühren bei Kulturdenkmälern
Hamburg steht mit dieser Maßnahme nicht allein da. Auch andere große Wahrzeichen haben ihre Zugangskonzepte für Touristen angepasst. So erhebt beispielsweise der Kölner Dom für touristische Rundgänge im Innenraum mittlerweile einen Eintritt von 12 Euro, während der Zugang zu Gottesdiensten weiterhin kostenfrei bleibt.
Ebenso reiht sich der berühmte Trevi-Brunnen in Rom in diesen internationalen Trend ein: Um den extremen Besucherandrang zu regulieren und die Instandhaltung zu finanzieren, wird für den Zugang zum Nahbereich des monumentalen Barockbrunnens künftig eine kostenpflichtige Ticketgebühr verlangt.
➤ Hier weitere Nachrichten aus Hamburg und Umgebung.
