Der Goldene Handschuh: St. Paulis legendäre Kneipe zwischen Kult und Abgrund

Auf dem Hamburger Kiez gibt es Kneipen, und dann gibt es den Goldenen Handschuh. Wer den Laden am Hamburger Berg betritt, lässt den Alltag hinter sich und taucht ein in ein St. Pauli, das weder beschönigt noch inszeniert wird.

24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr geöffnet. Keine Fenster, die Tageslicht hineinlassen, kein schickes Design, kein Filter. Der Goldene Handschuh ist die wohl berühmteste Absturzkneipe Deutschlands – Symbol für ehrliches Kiez-Leben, düstere Kriminalgeschichte und unerschütterliche Nachbarschaft.

Eine Kiez-Institution seit 1953

Gegründet wurde die Kneipe 1953 von dem Weltergewichtsboxer Herbert Nürnberg. Seinen Namen verdankt der Laden dem Ehrenpreis „Goldener Handschuh“, den Nürnberg einst als Boxer gewann.

Ursprünglich war die Bar ein Treffpunkt für Seeleute, Hafenarbeiter, Werftarbeiter und die bunten Vögel des Viertels. Ein Ort, an dem man nach der Schicht für wenig Geld ein kühles Bier oder den berüchtigten „Fako“ (Fanta-Korn) trank.

Der Goldene Handschuh „Honka Stube“ Schild am Eingang (Bild: ahoihamburg.de)

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Der Schatten der Vergangenheit: Fritz Honka

Weltweit berühmt – und berüchtigt – wurde der Goldene Handschuh durch die schrecklichen Ereignisse in den 1970er-Jahren. Der Serienmörder Fritz Honka war Stammgast in der Kneipe. Hier lernte er zwischen 1970 und 1974 seine Opfer kennen, bevor er sie in seiner nahegelegenen Dachgeschosswohnung tötete.

Diese düstere Episode der St.-Pauli-Geschichte wurde Jahrzehnte später von Heinz Strunk in seinem Bestseller-Roman „Der Goldene Handschuh“ aufgegriffen und 2019 von Hamburgs bekannten Regisseur Fatih Akin verfilmt. Der Film brachte der Kneipe eine neue Welle der Aufmerksamkeit – und viele neugierige Besucher aus aller Welt.

Warum der Handschuh bis heute fasziniert

Trotz des medialen Hypes hat der Goldene Handschuh seine Seele nicht an den Tourismus verkauft. Die Kneipe lebt von einer Authentizität ohne Kompromisse, bei der Touristen, Hamburger Urgesteine, Kiez-Legenden und Nachtschwärmer direkt Tür an Tür sitzen.

Während Schlager aus der Musikbox schallen und der Tresen matt glänzt, scheint die Zeit im Licht der Kneipe stillzustehen. Trotz des rauen Tons herrscht im Inneren eine ganz eigene Gemeinschaft und ein unverfälschter Zusammenhalt.

Tipps für den Besuch der Kultkneipe

Da der Handschuh rund um die Uhr geöffnet ist, lässt sich die wahrhaftigste und ungeschminkteste Atmosphäre vor allem in den frühen Morgenstunden oder unter der Woche erleben.

Die Kneipe dient vielen Menschen als verlässliches Wohnzimmer, weshalb ein respektvolles Verhalten gegenüber dem Personal und den Stammgästen Ehrensache ist und Fotos nur sehr zurückhaltend gemacht werden sollten. Geschmacklich gehören ein frisch gezapftes Pils oder der traditionelle Kiez-Klassiker Korn bei einem Besuch einfach dazu.

Für alle, die tiefer in die Geschichte und Kultur der Hansestadt eintauchen möchten: Mehr Kiez-Klassiker gibt es in der Themenwelt Hamburg Wissen.

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